Susanne Hennig-Wellsow (Linke) im Interview

Kurz-Steckbrief

  • Geboren am 13. Oktober 1977 in Demmin (Mecklenburg-Vorpommern)
  • seit Mitte der 1980er lebte sie in Erfurt
  • Abitur als Eisschnellläuferin am Erfurter Sportgymnasium
  • von 1984 bis 1999 Leistungssportlerin als Eisschnelläuferin
  • 1996 bis 2001: Studium der Pädagogik (Erziehungswissenschaften) an der Universität Erfurt
  • Im Anschluss daran arbeitete sie in der PDS-Fraktion im Thüringer Landtag von 2001 bis 2004 als wissenschaftliche Mitarbeiterin für Bildung und Medien.
  • Von 2001 bis 2012 Trainerin des Breitensports in der Abteilung Eisschnelllauf des ESC Erfurt
  • Susanne Hennig-Wellsow ist verheiratet, hat ein Kind und lebt in Erfurt und Potsdam

Politischer Werdegang

  • zwischen 2004 und 2012 Mitglied des Erfurter Stadtrates (zuständig für Jugendpolitik und Jugendförderung) – seit 2002 Mitglied des Jugendhilfeausschusses
  • 2004: über das Jugendticket als jüngste Abgeordnete in den Thüringer Landtag gewählt
  • 2004: Eröffnung des offenen Jugendwahlkreisbüros RedRoXX in Erfurt als Anlaufpunkt für die links-alternative Szene im Erfurter Raum (zusammen mit ihrem Fraktionskollegen Matthias Bärwolff)
  • bis 2012 Sprecherin für Ausbildungs- und Studentenfragen für die Linksfraktion
  • Mitglied im Bildungsausschuss und stellvertretendes Mitglied im Wissenschafts- wie auch im Wirtschaftsausschuss
  • von 2012 bis 2014 bildungspolitische Sprecherin der Fraktion
  • bei der Landtagswahl 2009 als Direktkandidatin für den Landtag gewählt
  • November 2011: Wahl zur stellvertretenden Vorsitzenden der Partei in Thüringen
  • Dezember 2014: Wahl zur Vorsitzenden der Linksfraktion im Thüringer Landtag
  • Februar 2021: Wahl zur Bundesvorsitzenden
  • politische Schwerpunkte liegen in der Hochschul-, Bildungs- und Ausbildungspolitik, im Antifa-Bereich, der politischen Bildung und der Nachwuchsförderung

  • Bundesweite Bekanntheit erlangte Hennig-Wellsow am 5. Februar 2020 während der Thüringen-Krise nach der Wahl von Thomas Kemmerich zum Thüringer Ministerpräsidenten. Dabei hatte sie als Vorsitzende der größten Landtagsfraktion das Recht, als Erste zu gratulieren. Sie verweigerte Kemmerich nicht nur den üblichen Handschlag, sie warf ihm auch den Blumenstrauß vor die Füße.

Ehrenämter und sonstiges Engagement (Auswahl):

  • Mitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft
  • Mitglied des Vereins Perspektiv e.V. in Erfurt
  • Mitglied des Vereins Alternative 54 e.V.

Wahl-O-Mat Fragen & Begründungen 

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    Wahl-o-Mat-Interview: Susanne Hennig-Wellsow von DIE LINKE 14.09.2021
    Wir alle haben es wahrscheinlich schon mal gemacht: im Vorfeld der Wahl den Wahl-O-Maten ausprobiert. Wie sieht es aber bei den Thüringer Spitzenkandidaten der Landeslisten der Bundestagsparteien aus? Stimmt denn IHR Wahl-O-Mat-Ergebnis mit ihrer Parteizugehörigkeit überein? Hören Sie es nach! Heute: Susanne Hennig-Wellsow von der Partei DIE LINKE

Tempolimit auf Autobahnen
Auf allen Autobahnen soll ein generelles Tempolimit gelten.

Ja. Weil es hierbei auch darum geht, Verkehrtote zu reduzieren und auch das Klima zu schützen.
Windenergieförderung beenden
Die Förderung von Windenergie soll beendet werden.

Nein. Wenn das meint, Windenergie auszubauen, das muss dringend erfolgen, damit wir weg von den fossilen Brennstoffen und Energieträgern kommen.
Begrenzung für Mieterhöhungen
Die Möglichkeit der Vermieterinnen und Vermieter, Wohnungsmieten zu erhöhen, sollen gesetzlich stärker begrenzt werden.

Ja, da bin ich schwer dafür, dass das kommt. Weil wir einen sehr hohen Anteil an normalen Einkommen haben. Und was die Miete ausmacht, ist das für viele Leute nicht mehr bezahlbar. Und deshalb braucht es einen Mietenstopp oder Mietendeckel.
Patentschutz für Impfstoffe
Impfstoffe gegen Covid-19 sollen weiterhin durch Patente geschützt sein.

Nein, sollen sie nicht, weil wir eine internationale Verantwortung haben. Und solange wir Patente auf Impfstoffe haben, können zum Beispiel ärmere Staaten sich den Impfstoff nicht leisten. Und das meint ja nicht nur die Impfstoffe, sondern alles, was dazu gehört.
Traditionelle Familie
Die traditionelle Familie aus Vater, Mutter und Kindern soll stärker als andere Lebensgemeinschaften gefördert werden.

Da stimme ich nicht zu. Nicht der Gesetzgeber bestimmt, wer sich als Familie fühlt, sondern das müssen die Menschen selbst tun. Aus meiner Sicht ist Familie immer da, wo Kinder sind. Es kann aber auch jede andere Lebensform sein.
Sprachliche Berücksichtigung von Geschlechtsidentitäten
Bundesbehörden sollen in ihren Veröffentlichungen unterschiedliche Geschlechtsidentitäten sprachlich berücksichtigen.

Das ist eine Selbstverständlichkeit, dass man Frauen als Frauen benennt und Männer als Männer; und wer sich da nicht entscheiden möchte, als divers. Also ja!
Verbrennungsmotor
Die Zulassung von neuen Autos mit Verbrennungsmotor soll auch langfristig möglich sein.

Da stimme ich nicht zu. Aus dem einfachen Grund, weil der individuelle Verkehr von uns dringend so entwickelt werden muss, dass wir weniger CO2 ausstoßen, weil wir sonst den Klimawandel nie in den Griff kriegen. Deshalb schneller und nicht ewig [warten, Anm. d. Red.].
Schulpolitik
Der Bund soll mehr Zuständigkeiten in der Schulpolitik erhalten.

Ja, von mir aus gern. Wir haben 16 unterschiedliche Bildungssysteme. Wir haben in jedem Bundesland, in jeder Stadt teilweise, unterschiedliche Schulbücher und da kann man einiges zusammenführen. Und dazu gehört unter anderem, längeres, gemeinsames Lernen bundesweit einzuführen.
Verkauf von Cannabis
Der kontrollierte Verkauf von Cannabis soll generell erlaubt sein.

Ja, soll es. Weil wir auch nicht über Kaffee, Bier und Alkohol reden. Als wäre es jetzt strafbewährt, Bier zu trinken beispielsweise. Cannabis gehört am Ende auch zu den Medikamenten. Und die Kriminalisierung derjenigen, die es nutzen, halte ich für falsch.
Austritt aus der EU
Deutschland soll aus der Europäischen Union austreten.

Nein.
Steuer auf hohe Vermögen
Auf hohe Vermögen soll wieder eine Steuer erhoben werden.

Definitiv! Weil die Vermögenden herangezogen werden müssen, um die Spaltung in unserer Gesellschaft zu vermeiden.
Gesichtserkennung bei Videoüberwachung
Bei der Videoüberwachung öffentlicher Plätze soll Gesichtserkennungssoftware eingesetzt werden dürfen.

Nein. Ich bin weder für Gesichtserkennung, noch für Videoüberwachung.
Ökologische Landwirtschaft
Ökologische Landwirtschaft soll stärker gefördert werden als konventionelle Landwirtschaft.

Stärker heißt ja, stärker als bisher, also ja.
Asyl nur für politisch Verfolgte
Asyl soll weiterhin nur politisch Verfolgten gewährt werden.

Nein. Jeder, der in seinem Leben bedroht ist oder nach Asyl anfragt, muss ein Recht auf Asyl haben.
Erhöhung des Mindestlohns
Der gesetzliche Mindestlohn soll spätestens im Jahr 2022 auf mindestens 12 Euro erhöht werden.

Ja, mindestens!
Homeoffice entscheidet der Arbeitgeber
Unternehmen sollen selbst entscheiden, ob sie ihren Beschäftigten das Arbeiten im Homeoffice erlauben.

Nein, aber der Gesetzgeber muss es möglich machen, dass Homeoffice in Größenordnungen möglich ist. Aber er muss die Bedingungen dafür definieren, weil es auch hier um Arbeitnehmerrechte, um Gesundheitsschutz und ähnliches geht.

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