Meine erste Wahl: Kandidat für den Deutschen Bundestag

Gerade einmal 0,9 Prozent - so viel fehlten Frank Ullrich, gebürtig aus Trusetal, im Herbst 2019 bei der Landtagswahl zum Sieg. Stattdessen musste er sich dem AfD-Kandidaten geschlagen geben. Diesmal soll es anders laufen: Der Neu-Sozialdemokrat Ullrich tritt bei der Bundestagswahl für seinen Wahlkreis in Südthüringen an. Dabei legt er wie gewohnt einen sportlichen Ehrgeiz an den Tag. Denn der ehemalige Biathlet weiß, wie man die Ziellinie als Erster überquert.




Neunmal Weltmeister, einmal Olympiasieger, viermal Gesamtweltcupsieger: Im Biathlon hat Frank Ullrich so ziemlich alles erreicht, was ein Sportler sich wünschen kann. Vor allem in seiner Heimat wird er deshalb gefeiert wie ein Star. Sogar eine Straße wurde nach ihm in seiner Heimatstadt Trusetal benannt: der Frank-Ullrich-Weg. In der Politik ist Frank Ullrich dagegen im Grunde genommen "der Neue". Denn erst vor ein paar Jahren fängt er an, sich politisch zu engagieren. Nach seiner aktiven Sportler- und anschließenden Trainerkarriere entschließt sich Ullrich, seiner Heimat und den Menschen in seiner Umgebung etwas zurückgeben zu wollen.

Großvater prägte Ullrich

Politisch geprägt wurde er dabei ausschlaggebend durch seinen Opa. Dieser war Jahrgang 1898 und Sozialdemokrat durch und durch: „Als jungen Menschen habe ich ihn immer wieder gefragt: ‚Wie war das denn zu der Zeit?‘ Da hat er gesagt: ‚Für mich gibt es nur Sozialdemokraten, die für die Arbeiter und die Bevölkerung da waren.‘ Das hat er mir vermittelt.“
"Da habe ich gesagt, ich möchte ein Mensch sein, der für andere da ist, der anderen hilft, der verbindenden Charakter hat." (Frank Ullrich über den politischen Einfluss seines Großvaters auf ihn)

Von der SED-Euphorie zum Glaubensverlust in das politische System

Bei der Landtagswahl 2019 tritt Frank Ullrich als Parteiloser an. Denn von Politik und Parteien hatte Ullrich nach der Wende erst einmal genug. Zu tief saß die Enttäuschung vom DDR-System und der SED, in die er Jahre zuvor noch begeistert eingetreten war. Ein Schicksalsschlag versetzte ihm dahingehend einen deutlichen Dämpfer, erzählt Frank Ullrich im Interview: „Ich war in der Vorbereitung auf ein Trainingslager und meiner Frau ging es sehr schlecht, sie lag im Sterben. Daraufhin habe ich meinen großen Sportchef angefragt, ob ich das Trainingslager ausfallen lassen kann, oder später starten kann. Da hat er mir eiskalt gesagt: ‚Meine Frau ist auch ab und zu mal krank. Da hab‘ ich kein Verständnis dafür.‘ In dieser Zeit starb meine Frau und da habe ich in gewisser Weise meinen Glauben an das System verloren.“

Dabei glaubte Ullrich an die DDR, den Staat und auch die SED. Denn sie unterstützten und förderten ihn. „Das hat mich fasziniert, dass ich gesehen habe, dass ein Staat mit sehr viel Akribie in der Nachwuchsentwicklung bei jungen Menschen schon angesetzt hat. […] Und da habe ich gesagt: ‚Ich möchte diesem Staat etwas geben und bin stolz darauf, dass ich so einen Staat habe!‘“   

Doch im Nachhinein musste auch Ullrich feststellen, dass nicht immer alles so war wie es schien. Inoffizielle Mitarbeiter, zum Teil aus seinem direkten Sportlerumfeld, bespitzelten ihn, sie berichteten, denunzierten Ullrich und enttäuschten ihn.

Kandidatur bei der Landtagswahl 2019

Einer Partei anzugehören ist für den Spitzensportler Ullrich erst einmal nicht mehr denkbar. Deshalb tritt er nach seiner aktiven Sport- und Trainerkarriere vorerst als Parteiloser bei der Landtagswahl 2019 für seinen Südthüringer Wahlkreis an. Nur knapp unterliegt er seinem AfD-Kontrahenten - und denkt sich bei der diesjährigen Bundestagswahl: Jetzt erst recht! „Ich hab dann noch eine zusätzliche Motivation entwickelt, nachdem ich gesehen hab, dass derjenige, der auf Platz 1 gekommen ist, nie wieder in der Region gesehen wurde. Und da habe ich mir einfach gesagt, das darf es nicht geben. Und ich möchte hier für meine Südthüringer Heimat und meine Region hier ins Rennen gehen, um auch in Berlin eine laute Stimme zu haben, die sich für unsere Leute einsetzt.“

Eintritt in die SPD und Kandidatur für den Deutschen Bundestag 2021


Anfang 2021 bekennt Ullrich sich dann doch wieder zu einer Partei: Geprägt durch den Großvater zieht es ihn zur SPD, deren Entwicklung und Neuausrichtung er aus vollem Herzen unterstützt: „Zukunftsorientiert, dem Menschen mehr zugewandt und inhaltlich geschlossener dargestellt. Jetzt versuchen sie auch wieder mehr Inhalte für unsere Bevölkerung zu setzen, nah an der Bevölkerung zu sein. […] Wo ich denke, jetzt haben wir wieder eine Sozialdemokratie, die sich sehen lassen kann und wo es sich auch lohnt, dafür zu kämpfen“, erklärt Ullrich im Interview.   

Frank Ullrich ist Südthüringer durch und durch und will das auch bleiben – auch wenn er am 26. September in den Deutschen Bundestag gewählt werden sollte.

"Es müssen Leute sein, die auch authentisch sind und auch hier verortet sind. Das heißt, wenn ich in den Bundestag ziehe, werde ich hier in Thüringen bleiben und mich hier weiter verankern." (Frank Ullrich im LandesWelle Thüringen-Interview)

Durch diese Verbundenheit unterscheidet er sich von seinem direkten Gegenkandidaten: dem umstrittenen CDU-Politiker Hans-Georg Maaßen. Eigentlich wäre Ullrichs CDU-Gegner Mark Hauptmann. Durch einen Schutzmasken-Skandal während der Corona-Pandemie verzichtet er allerdings auf die Bundestagskandidatur und gibt sein aktuelles Bundestagsmandat zurück. Enttäuschend für Ullrich, der sich gerne mit Hauptmann politisch duelliert hätte.
Angesprochen auf Hans-Georg Maaßen erklärt Frank Ullrich: „Er ist sehr zwiespältig und vertritt nicht meine Intention oder meine Philosophie. Letzendlich müssen die Leute entscheiden, wen sie wählen oder was sie vorhaben.“ 

Sport ist das Herzensprojekt

Frank Ullrichs will - wenn er am 26. September gewählt wird - mehr Sport in die Bildungspolitik bringen. Denn dieses Herzensprojekt ist eine Lebenseinstellung: „Wenn wir eine fitte Gesellschaft wieder aufbauen wollen, darf nicht mehr nur in eine Richtung abgezielt werden, sondern unsere generelle physische und psychische Fitness, die wir brauchen, um in diesem Staat wieder erfolgreich zu sein. […] Genauso möchte ich in den Schulen wieder ansetzen, wo ich sage: Da muss mehr passieren!“

Frank Ullrich tritt zwar als Direktkandidat für die SPD in Südthüringen an, die Ellenbogen lässt er im Wahlkampf aber eingezogen. Denn wichtig ist ihm vor allem eines: Dass alle Parteien für die Bevölkerung kämpfen und arbeiten.
Meine erste Wahl: Bundestagskandidat Frank Ullrich

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