Meine erste Wahl: Das erste Mal Wahlvorsteher

Der Gang ins Wahllokal ist für die meisten von uns Routine. Auch am 26. September zur Bundestagswahl werden wieder viele der etwa 1,7 Millionen wahlberechtigten Thüringer einen Spaziergang zu einem der zahlreichen Wahllokale unternehmen, um ihre Stimme abzugeben.
Erwarten werden sie dort zahlreiche Wahlhelfer, die Wahlscheine ausgeben und mit Rat und Tat zur Seite stehen. Damit alles wie geplant abläuft, gibt es Wahlvorsteher. Einer von ihnen ist Stephan Jünger aus Kranichfeld. Er leitet dieses Jahr zum ersten Mal ein Wahllkokal.



(Bildquelle: Stephan Jünger)

Hat bereits Erfahrungen als Wahlhelfer

Erfahrungen als Wahlhelfer hat Stephan Jünger dabei schon. Bereits zweimal hat er als Wahlhelfer in einem Erfurter Briefwahlzentrum geholfen. Er kennt den Ablauf am Wahltag und weiß auch schon, worin die Unterschiede zwischen Briefwahl und der Wahl im Wahllokal liegen: „Gerade bei der Briefwahl ist es wichtig, dass die Stimme keinem Bürger zugeordnet werden kann. Das ist natürlich auch im Wahllokal so, aber da ist es einfacher, weil der Wahlbenachrichtigungszettel nicht direkt bei der Stimme liegt. Bei der Briefwahl habe ich natürlich den Umschlag, der kommt. Da liegt der Wahlberechtigungsschein drin, aber auch der  in einem Extra-Umschlag versiegelte Stimmzettel. Das heißt, im ersten Schritt werden der Wahlberechtigungsschein und der Stimmzettel voneinander getrennt. Dieser wird dann wieder in die Urne gelegt. Später werden die Stimmzettel erst geöffnet und ausgezählt.“

Wahlvorsteher bedeutet mehr Verantwortung

In seiner neuen Funktion als Wahlvorsteher hat Stephan Jünger nun ein paar mehr Aufgaben: Er muss die Wahl in seinem Wahllokal eröffnen und beenden und überwacht diese auch. Er muss ebenfalls die Ordnung im Wahllokal überwachen: Das bedeutet, dass im Wahllokal selber keine Werbung mehr gemacht werden darf. Die Bürger, die dort wählen, sollten in ihrer Wahlhandlung nicht beeinflusst werden.

Die Aufgabe als Wahlvorsteher und die Verantwortung, die damit einher geht, übernimmt Stephan Jünger freiwillig und mit Begeisterung: „Weil ich auch sehr gerne bereit bin, mehr Verantwortung zu übernehmen. Das ist meine Motivation, und natürlich, warum ich mich überhaupt als Wahlhelfer gemeldet habe: Wenn man in einer Demokratie lebt und diese schätzt, sollte man diese erhalten. Und das tue ich halt als Wahlhelfer.“

Auszählung kann bis in die Nacht dauern

Dass der Tag lang wird, weiß Stephan Jünger und nimmt das gerne in Kauf. Je nachdem wie lange ihn seine Aufregung schlafen lässt, startet er früh am Morgen mit einer Tasse Kaffee in den Tag. Dann geht's weiter: Er muss die Unterlagen, die Stimmzettel und Protokolle auf der Gemeinde abholen. Danach geht’s ins Wahllokal, wo hoffentlich schon die anderen Mitglieder des Wahlvorstands warten. Diese werden von ihm belehrt und verpflichtet. Dann wird das Wahllokal mit der Wahlurne und den einzelnen Kabinen vorbereitet. Von 08:00 Uhr bis 18:00 Uhr läuft dann der eigentliche Wahltag. Danach endet der Tag natürlich nicht: „Dann geht’s an die Stimmauszählung und wenn diese beendet ist, werden die Ergebnisse an die Gemeinde weitergeleitet. Das Ganze wird noch protokolliert, fertig eingepackt, versiegelt – und dann ist hoffentlich gegen Abend unser Job beendet“, so Jünger.

Das kann aber auch mal bis in die Nacht hinein dauern. Denn die Stimmen werden nach dem Vier-Augen-Prinzip gezählt: bei Unstimmigkeiten muss immer wieder nachgezählt werden, bis alle Wahlhelfer auf dasselbe Ergebnis kommen.

Gemeinnützigkeit bleibt bei Suche nach Wahlhelfern oft auf der Strecke

Apropos „Wahlhelfer“: Dass sich genügend Ehrenamtler finden, ist immer schwieriger. Das Problem darin sieht Stephan Jünger vor allem hierin begründet: „Dass Leute das Gemeinnützige nicht mehr sehen, sondern sie sehen nur ‚Was gibt es denn dafür?‘ 25 Euro für den ganzen Tag. – Das sollte nicht die Motivation sein, dass man sich bei sowas meldet. Die 25 Euro sind natürlich nur ein Erfrischungsgeld, das ich dafür kassiere.“

Gesellschaftliches Engagement ist wichtig

Stephan selber ist politisch interessiert, aber nicht aktiv engagiert. Das wäre für ihn auch ein Problem in Zusammenhang mit seiner Position als Wahlvorsteher: „Als Wahlvorstehender soll man unparteiisch sein. Sich dann als Parteimitglied dahin zu stellen, ist problematisch. Niemand soll hinterher sagen, ich hab‘ irgendeinen Bürger bei seiner Stimmabgabe beeinflusst. Das ist mir ganz, ganz wichtig!“

Gesellschaftlich ist Stephan Jünger dagegen sehr engagiert. Mit seinem Kleinunternehmen, das er neben seinem Job als Zeitsoldat führt - und auch privat: „Wir hatten mal für den Kindergarten ein bisschen was gespendet, aber auch im Privaten engagiere ich mich sehr gerne. Ich fahre gerne Motorrad und wir sind ein paar Leute. Durch Corona konnten wir das nicht mehr durchführen, aber die Jahre davor haben die das Kinderhospiz Tambach-Dietharz besucht: mit Motorrad in Osterhasenkostümen. Das hat den Kindern sehr gefallen.“


(Bildquelle: Stephan Jünger)

Stephan selber wählt am 26. September in einem anderen Wahllokal. Für den Zeitraum, in dem er sein Kreuzchen setzt, übernimmt sein Stellvertreter seinen Posten. Denn dass er seine Stimme abgibt, ist Stephan sehr wichtig.

„Ich sag immer, wer über Politik schimpfen will, der muss auch versuchen, Politik mit zu machen. Und das kann ich als Bürger nur, wenn ich meine Stimme abgebe. Wenn ich als Bürger diese Stimmabgabe verweigere oder einfach sage, das interessiert mich nicht, dann hat er für mich – meine persönliche Meinung – seine Chance verwirkt, über die Politik zu schimpfen.“ (Stephan Jünger über die Bedeutung von Wahlen)
Meine erste Wahl: Wahlvorsteher

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