Ladensterben: Wenn der Weg zum Einkauf immer länger wird

Nicht alles ist mal eben schnell im Internet bestellt. Wenn der Supermarkt um die Ecke zu macht, stellt das viele vor große Herausforderungen. Drei Beispiele aus Thüringen.

Lange Wege in Sitzendorf


"Das ist für uns ein großer Schock gewesen. Seit den Neunzigern gab es diesen Supermarkt und jetzt ist er einfach zu - für immer", erzählt uns Martin Friedrich. Er ist Bürgermeister der Gemeinde Sitzendorf im Kreis Saalfeld-Rudolstadt.
Seit März ist der letzte Supermarkt in der Gemeinde geschlossen. Die Regale stehen leer, ein Nachfolger ist noch nicht gefunden.
Die nächste Einkaufsmöglichkeit liegt im 15 Kilometer entfernten Oberweißbach. Mit dem Auto ist man eine knappe Viertelstunde unterwegs. Mit Bus oder zu Fuß ist man bis zu einer Stunde unterwegs. Vergessen etwas einzupacken, darf man da nicht. 
Bürgermeister Friedrich ist dennoch zuversichtlich. Erste Interessenten für eine Übernahme des Marktes haben sich gefunden. Auch ein 24-Stunden-Laden mit Dingen für den alltäglichen Bedarf gehört zu seinen Ideen. Es soll eine Art moderner "Tante Emma Laden" werden.

 

City-Manager in Arnstadt


In einigen Teilen Arnstadts herrscht ein ähnliches Bild. Florian Trümper aus der Landeswelle Redaktion war schon 2008 dabei, als der letzte Supermarkt in seinem Viertel geschlossen hat. Auch die Bäckerei musste 2015 schließen.
Der Dezernatsleiter Bauentwicklung/Stadtplanung der Stadt Stefan Fricke spricht von einer "Verlagerung der kleineren Läden ins Zentrum." Die großen Supermärkte hingegen brauchen viel Platz am Stadtrand um ein möglichst großes Sortiment anbieten zu können. 
Abhilfe soll ein neu eingestellter City-Manager schaffen: "Er soll neue Ideen ins Einzelhandelskonzept bringen, sodass wir Versorgungslücken schließen und die Stadt gleichzeitig attraktiver gestalten", so Fricke.

Der "Landkaufmann" als mobiler Laden 

Die Waren direkt dorthin bringen, wo Bedarf besteht, hat sich das Projekt "Landkaufmann" der Thüringer Firma Friko, unter anderem in Zusammenarbeit mit der Diakonie Weimar Bad Lobenstein, zum Ziel gesetzt. Damit erhalten Menschen, die nicht mobil sind, die Möglichkeit selbst einzukaufen zu können – für viele ein wiedergewonnenes Stück Freiheit. "Wir haben viele Anfragen von Seniorinnen und Senioren, da kleine Läden auf dem Land ja fast nicht mehr vorhanden sind", erklärt Diakonie-Projektbetreuerin Ute Grüner. "Die Menschen möchten eben auch gern selbst sehen und auswählen, was sie kaufen und auch einfach mal spontan das kaufen, worauf sie Appetit haben."  Die Firma Friko GmbH mit Sitz in Mittelthüringen fährt mit mehreren Dutzend Wagen im Freistaat umher, um besonders in Orten ohne Einkaufsmöglichkeit frische Lebensmittel – meist aus der Region, anzubieten. Im Sortiment der Verkaufswagen befinden sich Back- und Fleischwaren, Obst und Gemüse, Molkereiprodukte, Eier, Nudeln und hausgemachter Kuchen, auch Süßigkeiten und wechselnde Kleinprodukte.

Neuer Markt in Sondershausen


In Sondershausen ist man schon ein paar Schritte weiter. Wie jede Stadt greift auch hier das Einzelhandelskonzept der Stadt. "Das ist unsere einzige Möglichkeit, dem Ladensterben entgegenzuwirken", erzählt uns Uta Kaiser im Interview. Sie ist seit 35 Jahren die Stadtplanerin in Sondershausen und weiß, was wichtig ist: "Wir teilen die Stadt in mehrere Nahversorgungsgebiete auf. Unser Ziel ist es, dass jeder Einwohner einen Supermarkt fußläufig erreichen kann." Deshalb wird jetzt im Borntal auch ein neuer Supermarkt gebaut. Außerdem sind weitere Umbaumaßnahmen geplant. Ein neues Hotel kommt in die Stadt. Supermärkte werden größer und auch barrierefreier. 

Es sind erste richtige Schritte, die die Städte angehen. Wichtig ist, dass die Umsetzung schnell und unbürokratisch erfolgt. Wie sieht es denn bei Ihnen aus? Schreiben Sie uns auf Facebook, wie die Versorgungslage bei Ihnen aussieht.

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