Katrin Göring-Eckardt (Grüne) im Interview

Kurz-Steckbrief

  • Geboren am 03. Mai 1966 in Friedrichroda als Tochter eines Tanzlehrer-Ehepaares
  • Aufgewachsen in Gotha
  • Studium der evang. Theologie in Leipzig (1988 abgebrochen)
  • in der evang. Kirche engagiert: Sie übernahm beispielsweise eine Reihe von Ämtern und Funktionen
    • 2007 bis 2013: Mitglied des Präsidiumsvorstandes des Deutschen Evangelischen Kirchentages
    • 2011 leitete sie den 33. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden als Präsidentin

Politischer Werdegang

  • Arbeit in der DDR im Arbeitskreis Solidarische Kirche
  • 1989 Gründungsmitglied von Demokratischer Aufbruch und 1990 der Bürgerbewegung Demokratie Jetzt
  • 1990 bis 1993 Mitglied im Thüringischen Landesvorstand von Bündnis 90. – Nahm an Verhandlungen zur Zusammenführung von Bündnis 90 und den Grünen teil
  • Nach Fusion 1993 Arbeit bis 1994 bei der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen als Referentin für Frauenpolitik, Familie und Jugend
  • 1998 bis 2006: Mitglied im Parteirat
  • Bis 1998 Mitglied des Grünen-Landesvorstands
  • Ab 1995 (mit Unterbrechungen) Landessprecherin
  • Seit 1998 Mitglied im Deutschen Bundestag (stets über Landesliste Thüringen)
  • Im Oktober 2005 wurde sie zur Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags gewählt
  • Seit Herbst 2005 kulturpolitische Sprecherin der Fraktion
  • Neben Jürgen Trittin als Spitzenkandidaten für Bundestagswahl 2013 gewählt
  • Herbst 2013 neben Anton Hofreiter als Vorsitzende der Bundestagsfraktion gewählt

Ehrenämter und sonstiges Engagement (Auswahl):

  • Mitglied des Kuratoriums der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V.
  • ehem. Mitglied der Atlantik-Brücke e.V. (Austritt: 2013)
  • Stiftungsratsmitglied der Schulstiftung der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM)

Wahl-O-Mat Fragen & Begründungen 

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    Wahl-O-Mat-Interview: Katrin Göring-Eckardt von Bündnis 90/Die Grünen 13.09.2021
    Wir alle haben es wahrscheinlich schon mal gemacht: im Vorfeld der Wahl den Wahl-O-Maten ausprobiert. Wie sieht es aber bei den Thüringer Spitzenkandidaten der Landeslisten der Bundestagsparteien aus? Stimmt denn IHR Wahl-O-Mat-Ergebnis mit ihrer Parteizugehörigkeit überein? Hören Sie es nach! Heute: Katrin Göring-Eckardt von Bündnis 90/Die Grünen

Tempolimit auf Autobahnen
Auf allen Autobahnen soll ein generelles Tempolimit gelten.

Ja, wir sind für ein Tempolimit von 130 km/h.
Windenergieförderung beenden
Die Förderung von Windenergie soll beendet werden.

Quatsch, natürlich nicht! Da stimme ich nicht zu.
Begrenzung für Mieterhöhungen
Die Möglichkeit der Vermieterinnen und Vermieter, Wohnungsmieten zu erhöhen, sollen gesetzlich stärker begrenzt werden.

Da stimme ich zu. Ich glaube, wir brauchen eine bundesweite Mietpreisbremse, die natürlich trotzdem noch Mieterhöhungen in einem bestimmten Rahmen möglich macht, weil auch saniert werden muss. Es gibt auch viele anständige Vermieter und Vermieterinnen, aber auch andere, die nur versuchen Rendite zu machen.
Patentschutz für Impfstoffe
Impfstoffe gegen Covid-19 sollen weiterhin durch Patente geschützt sein.

Ich finde, das Wissen sollte zur Verfügung gestellt werden. Andererseits hängen da auch Forschungsgelder dran. Also ich bin da neutral.
Traditionelle Familie
Die traditionelle Familie aus Vater, Mutter und Kindern soll stärker als andere Lebensgemeinschaften gefördert werden.

Nein, Kinder in den Mittelpunkt und dann ist es egal wie die Eltern zusammenleben.
Sprachliche Berücksichtigung von Geschlechtsidentitäten
Bundesbehörden sollen in ihren Veröffentlichungen unterschiedliche Geschlechtsidentitäten sprachlich berücksichtigen.

Ja, selbstverständlich. Man muss sich gemeint fühlen können.
Verbrennungsmotor
Die Zulassung von neuen Autos mit Verbrennungsmotor soll auch langfristig möglich sein.

Nein.
Schulpolitik
Der Bund soll mehr Zuständigkeiten in der Schulpolitik erhalten.

Ja, ich finde, das sollten wir tatsächlich möglich machen. Nicht in allen Bereichen, die Autonomie sollte bestehen bleiben. Aber wir sollten dort, wo’s notwendig ist, wo wir mehr Geld ausgeben wollen, auch die Möglichkeit schaffen, dass Bund und Länder zusammenarbeiten.
Deswegen heißt es nicht, den Ländern die Verantwortung aus der Hand zu nehmen, aber das möglich zu machen finde ich – vor allem im Grundschulbereich – sehr sinnvoll. Da ist ja sehr viel zu tun.
Verkauf von Cannabis
Der kontrollierte Verkauf von Cannabis soll generell erlaubt sein.

Na klar, das macht Sinn – übrigens auch unter Präventionsgesichtspunkten. Also, wer nicht will, dass Abhängigkeiten entstehen, dass Drogen einfach so vertickt werden und dass es dann häufig noch viel härtere Drogen sind als Cannabis, der und die muss sagen: Ja, es muss kontrolliert und dann auch begleitet abgegeben werden.
Austritt aus der EU
Deutschland soll aus der Europäischen Union austreten.

Nein.
Steuer auf hohe Vermögen
Auf hohe Vermögen soll wieder eine Steuer erhoben werden.

Ja. Übrigens haben wir das vorgeschlagen, obwohl dieses Geld nicht im Bundeshaushalt landen wird, sondern in den Ländern. Weil wir finden, wir müssen mehr in Bildung investieren und über die Erträge aus dieser Steuer geht das. Es ist nicht einfach, das Vermögen zu erheben. Wir wissen, das wird wahrscheinlich so ein Jahr dauern, bis man das hat. Und eben nicht Unternehmen am Investieren hindert oder daran hindert, neue Dinge zu machen. Das soll ganz bewusst da herausgenommen werden. Aber grundsätzlich ist das, glaube ich, eine ganz gute Idee.
Gesichtserkennung bei Videoüberwachung
Bei der Videoüberwachung öffentlicher Plätze soll Gesichtserkennungssoftware eingesetzt werden dürfen.

Nein, das ist insgesamt keine gute Idee. Wir haben das sowieso an Bahnhöfen und an anderen Orten, wo Videoüberwachung ist. Aber wenn man Kriminalität bekämpfen will, dann ist das nicht das Mittel der Wahl. Das ist ein Überwachungsmittel für alle Bürgerinnen und Bürger, denen man quasi unterstellt, dass sie möglicherweise, irgendetwas falsch machen. Deshalb: nein.
Ökologische Landwirtschaft
Ökologische Landwirtschaft soll stärker gefördert werden als konventionelle Landwirtschaft.

Ich würde sagen, ja. Auch weil da auch mehr Personalintensität ist und man auch für manche Dinge mehr Geld einsetzen muss – und weil wir eine Veränderung da wollen.
Ich will allerdings auch, dass die konventionelle Landwirtschaft da mitmachen kann bei den Veränderungen und wir klar haben, wir wollen nicht mehr die alten Strukturen fördern, sondern wir wollen dazu kommen, dass alle gut wirtschaften können. Dass die Tiere gut leben, dass sie nicht mit Antibiotika gespritzt werden müssen. Wir wollen eine Landwirtschaft ohne Gift und Glyphosat. Und das müssen wir mit den Bäuerinnen und Bauern gemeinsam machen, nicht nur mit den Öko-Bäuerinnen und -Bauern.
Asyl nur für politisch Verfolgte
Asyl soll weiterhin nur politisch Verfolgten gewährt werden.

Schwer zu beantworten. Da würde ich jetzt neutral sagen, weil das etwas komplizierter ist, wenn man das vernünftig machen will.
Erhöhung des Mindestlohns
Der gesetzliche Mindestlohn soll spätestens im Jahr 2022 auf mindestens 12 Euro erhöht werden.
Ja, das ist die Forderung, die gemeinsam zum Beispiel mit den Gewerkschaften erheben, und das finde ich richtig.
Homeoffice entscheidet der Arbeitgeber
Unternehmen sollen selbst entscheiden, ob sie ihren Beschäftigten das Arbeiten im Homeoffice erlauben.

Ich finde, das sollten wir gesetzlich regeln. Das heißt, ich stimme nicht zu. Es ist natürlich immer so, dass es nur im Einklang mit den Bedingungen im Unternehmen geht, das ist ja klar. Also nicht so eine generelle Möglichkeit für alle überall. Aber, dass Beschäftigte diese Möglichkeit bekommen müssen, wenn es geht – so haben wir das ja gerade in der Pandemie erlebt – das ist eine gute Voraussetzung.

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