Anwohner und Bürgermeisterin von geplantem Windrad genervt

Eigentlich stehen sie wie kaum etwas anderes für Klimaschutz und erneuerbare Energien: Windräder. Doch gerade die Vorbereitung auf eben so ein Windrad nervt die Anwohner von Hundhaupten und Markersdorf im Landkreis Greiz im Osten Thüringens gerade gewaltig: An der B2 in der Nähe von Gera führt die UKA GmbH aus Meißen seit mehreren Monaten Windmessungen durch. Dafür liefert das SoDAR-Gerät rund um die Uhr eine regelrechte „Piep-Show“ ab: es piept im wahrsten Sinne des Wortes.
Die Anwohner sind genervt und haben kein Verständnis. Catrin Ripka aus Markersdorf:
"Wir wohnen auf dem land, weil wir die Ökosysteme und den Umweltschutz lieben. Und dieser SoDAR-Messer steht nicht weit von uns, mitten im Wald, hat eine Riesen-Reichweite und jagt alle Sekunden 130 dB in die Luft. Das ist ungefähr gleichzusetzen mit einem Düsenflugzeug. […] Wir gehen gar nicht mehr gerne in diesen Wald. Die Tiere sind dort mittlerweile auch vertrieben, würde ich mal mutmaßen.“
Diese Ahnung bestätigt auch Gerlinde Pätzold-Häselbarth, die Bürgermeisterin von Hundhaupten. An sie haben sich nicht nur Anwohner und Spaziergänger gewandt, sondern auch Jäger. Denn durch das Messgerät und die damit verbundenen Geräusche würden Tiere vertrieben werden.


(Das Windmessgerät zwischen Hundhaupten und Markersdorf. Foto: Gerlinde Pätzold-Häselbarth)

Doch nicht nur die Geräusche stören die Anwohner. Für das geplante 260 Meter hohe Windrad sollen 1,2 Hektar Wald gerodet werden. Für diesen Sachverhalt findet Gerlinde Pätzold-Häselbarth klare Wort:
„Windenergie im Wald ist ein Verbrechen an der Menschheit!“
Der Mischwald ist zum Teil sogar frisch angepflanzt. Wenn Bürgermeisterin Pätzold-Häselbarth beobachtet wie man gerade im Moment um jeden Meter Wald kämpft – sei es wegen Trockenheit oder der Borkenkäfer – fehlt ihr das Verständnis, wie ein Windvorranggebiet im Wald geplant werden kann – und dieser Wald dann dem Windrad weichen muss.

Das Unternehmen UKA Umweltgerechte Kraftanlagen GmbH & Co. KG, das für die Windmessungen und das geplante Windrad verantwortlich ist, äußerte sich auf Anfrage von LandesWelle Thüringen schriftlich dazu:

„Wir befinden uns aktuell mit unserer Planung für eine Windenergieanlage im Windvorranggebiet Großsaara im Genehmigungsverfahren. Das Gebiet wurde im Rahmen der Regionalplanung ausgewählt und findet Bestätigung im aktuellsten Entwurf. Ob und wann die Windenergieanlage gebaut werden kann, hängt nun von der Dauer und dem Ergebnis des Genehmigungsverfahrens ab.

Das von Ihnen erwähnte Gerät ist ein sogenanntes SoDAR  (Sound Detecting And Ranging). Das SoDAR-Gerät ermittelt die Daten (Windgeschwindigkeit, Windintensität, Windrichtung) durch Aussendung und Empfang von Schallwellen, wel­che in einem bestimmten zeitlichen Abstand nach oben abgestrahlt werden. Es handelt sich also um ein akustisches Fernmessverfahren. Um eine entsprechende Datenqualität sicherzustellen ist eine gewisse Intensität des Messgeräuschs notwendig. Ziel einer Windmessung ist, den typischen Jahresgang am Standort zu erfassen, damit den zu erwartenden Energieertrag abzuschätzen und die Wirtschaftlichkeit der Windenergieanlage abzusichern. Seit Oktober 2018 führt UKA mit dem SoDAR eine Windmessung am Standort durch. Die Messung wird Anfang Oktober 2019 abgeschlossen. Über die damit verbundenen Kosten kann aus vertragsrechtlichen Gründen keine Auskunft gegeben werden.

Die Messung startete zunächst auf einem Feld zwischen dem Vorranggebiet und Markersdorf. Zum Schutz der Anwohner haben wir uns dann in Abstimmung mit dem Forst schließlich für den Standort im Wald weiter nördlich von Markersdorf entschieden. Außerdem haben wir regelmäßig über das Vorhaben informiert: Im Februar 2018 haben wir in einer Gemeinderatssitzung in Hundhaupten das Projekt erstmals vorgestellt. Die Bürger der Region haben wir im April 2019 ebenfalls im Rahmen einer Informationsveranstaltung über die Projektplanungen aufgeklärt.

Thüringen hat sehr gute Voraussetzungen für den wirtschaftlichen Betrieb von Windenergieanlagen und das Potential Vorreiter im Bereich der Erneuerbaren Energien in Mitteldeutschland zu werden. Diese Chance hat auch die Landesregierung erkannt und möchte ihren Beitrag zur Erreichung der internationalen Klimaziele leisten. Bis 2040 soll die Energieversorgung vollständig auf Erneuerbare Energien umgestellt werden. UKA möchte Thüringen auf diesem Weg begleiten und hat mehrere genehmigungsreife Projekte in der Mitte Deutschlands in der Planung. Derzeit sind am UKA-Standort Erfurt 15 Mitarbeiter in der Projektentwicklung tätig.“

Laut Aussage der Bürgermeisterin Gerlinde Pätzold-Häselbarth wurde das Windvorranggebiet allerdings noch nicht im Regional-Plan bestätigt. Dieser ist noch nicht beschlossen und auch noch nicht rechtswirksam. Wahrscheinlich wird Ende November darüber entschieden, was Windvorranggebiet ist oder nicht.
Pätzold-Häselbarth merkt weiterhin an, dass der Gemeinderat nicht über das Projekt von UKA informiert wurde. Lediglich der Eigentümer vom Waldgrundstück, wo das Windmessgerät steht, wurde darüber informiert. Laut Aussage von Pätzold-Häselbarth war die zuständige Revierförsterin auch informiert, da Sie ihren angrenzenden Privatwald zur Bebauung für einen Windpark freigegeben hatte. Der Gemeinderat ist gegen diese Projekt und möchte das Messgerät unbedingt aus dem Wald bekommen, so die Bürgermeisterin.

Die Piep-Show im Landkreis Greiz soll noch bis Oktober weiterlaufen. Der Neubau des Windrades soll nächstes Jahr erfolgen.
Piep-Show im Landkreis Greiz

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