Tipps gegen den Lagerkoller

Das Wochenende steht vor der Tür – und das Wetter soll schön werden. Aber: Das öffentliche Leben in Deutschland und natürlich auch in Thüringen steht still. Schulen und Kindergärten sind geschlossen. Viele Thüringer sind über die Woche im Homeoffice oder betreuen die Kinder zu Hause. Aus den eigenen vier Wänden rauskommen?! Kaum möglich!
Da dauert es nicht lange und uns hat der Lagerkoller eingeholt  - die Decke fällt uns auf den Kopf.

Was Sie jetzt tun können, um der Krise daheim zu entkommen, erklärt uns Psychopraktiker und psychologischer Berater Stefan Weniger aus Erfurt und Suhl.

Für uns Menschen als soziale Wesen ist der Verzicht auf Kontakt, vor allem auf das haptische Berühren, sehr schwer hinzunehmen. Menschen, die in einer Wohngemeinschaft zusammenleben, haben es da noch etwas besser. Schlimmer wird es für Menschen, die alleine wohnen, so Weniger.
Für Menschen, die wirklich alleine sind, ist es extrem schlimm, dass wir plötzlich in einer Situation sind, die wir uns nicht freiwillig ausgesucht haben, sondern in die wir reingezwungen wurden. (Stefan Weniger, Psychopraktiker und psychologischer Berater)

Dennoch können wir versuchen, das beste für uns alle aus dieser Situation zu machen. Folgende Punkte können dabei helfen.

Rhythmus finden

Egal ob Mahlzeiten oder Spaziergänge – das, was noch geht, sollten Sie immer wiederkehrend machen. Das beruhigt und strukturiert Ihren Tag, der möglicherweise ein bisschen Struktur durch die Beschränkungen verloren hat. Achten Sie dabei nicht nur auf eine angemessene Tagesstruktur für sich, sondern auch für Ihre Kinder: Wecken Sie sie trotzdem wie gewohnt, helfen Sie bei der Strukturierung der Schulaufgaben. Andernfalls könnten sich die Kinder von dem Berg an Aufgaben auch erschlagen fühlen.

Freiraum lassen

Wenn Sie unter einem Dach leben, kommen Sie sich in diesen Tagen möglicherweise vor, wie zusammengepfercht. Wichtig ist es dann, die Balance zwischen gemeinsamer und Ich-Zeit zu finden, so Weniger.
Wichtig ist, dass man sich auch Zeit lässt, mal allein zu sein.

Aber natürlich ist auch das Miteinander wichtig. Das Konzept der „Familienkonferenz“ (Thomas Gordon) hält Stefan Weniger für angebracht: „Wo man sich gemeinsam eine Runde schafft, wo man einander zuhört und miteinander spricht. Und guckt, was bewegt den anderen? Und sich wirklich Zeit nimmt, dem anderen zuzuhören und die Dinge nicht nur abzutun. Das ist ganz wichtig.“

Auf Altes zurückgreifen

In Zeichen von Internet und digitalen Medien sollten Sie hier und da auch versuchen, auf Altes zurückzugreifen: Briefe schreiben und verschicken, Bilder malen – vielleicht auch etwas basteln. Vor allem für Kinder ist dies eine schöne Abwechslung zu Skype oder WhatsApp. Und: Die Kinder, aber auch bastelbegeisterte Erwachsene, haben danach wirklich was in der Hand. Dieses Erlebnis hilft ebenfalls, zu entspannen. 

Internetpausen einlegen

Oft heißt es, dass die Digitalisierung uns gerade in dieser Zeit hilft und zusammenrücken lässt: Wenn wir schon nicht physisch in Kontakt mit unseren Liebsten stehen können, dann wenigstens via Videochat oder Sprachnachrichten. Einerseits stimmt das natürlich, andererseits empfiehlt Stefan Weniger auch beim Internet bewusste Pausen einzulegen: „Wichtig ist auch, dass wir diese Zeit nutzen, um auf bestimmte Dinge zu verzichten. […] Das Internet ist so schnell und so dynamisch geht, dass wir keine Zeit haben, innezuhalten. […] Mal Handy oder Internet zur Seite zu legen, sollte man gemeinsam machen. Dass man sich Zeiten nimmt, wo man sagt ‚Jetzt sind wir im Internet.‘, aber auch Zeiten hat, wo man sagt: ‚Ich lege das bewusst weg.‘ Und dann auch miteinander umgeht.“

Soziale Kontakte weiter pflegen

Ein bewusstes Einschränken des Internetnutzens muss aber nicht zwangsläufig heißen, dass Sie Ihre sozialen Kontakte herunterfahren sollen. Wir sind soziale Wesen und brauchen den regelmäßigen Kontakt zu anderen Menschen. Holen Sie sich diesen über Telefonate, Nachrichten oder eben auch über die sozialen Medien. Damit können wir uns in Echtzeit austauschen, chatten oder telefonieren. Sie können Ihre Erfahrungen austauschen und auch alleinlebenden Menschen zeigen, dass sie nicht allein sind.

Holen Sie sich professionelle Hilfe, wenn Sie überfordert sind!

Sollte Ihnen die Situation dennoch zu viel sein, holen Sie sich professionelle Hilfe. Stefan Weniger rät davon ab, um Internet nach den besten Lösungen zu googeln. Rufen Sie stattdessen bei Experten an und schildern Sie Ihre Probleme. Wenden Sie sich rechtzeitig an professionelle Hilfesysteme, wie zum Beispiel Beratungsstellen der Krankenkassen, Sorgentelefone oder psychotherapeutische Beratungsstellen.

Eine Auswahl haben wir hier für Sie bereitgestellt:

  • Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“: 08000 116 016
  • Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222
  • Elterntelefon: 0800 111 0 550
  • Für Kinder oder Jugendliche die „Nummer gegen Kummer“ 116 111

Auf der Homepage von Stefan Weniger können Sie auch den Kontakt zu ihm aufbauen.

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